Ansicht von Weisenau im 18. Jahrhundert.
Zwischen dem Dorf und der Kartause (rechts unten am Rhein) das Nonnenklösterchen.
(Foto nach einer Vorlage im Staatsarchiv Darmstadt)

 

Urkundlich wird Weisenau erstmals im Jahre 1192 unter dem Namen "Wizenowe iuxta Moguntia" erwähnt.

Doch zahlreiche Funde in und um Weisenau lassen auf eine kontinuierliche Besiedlung schließen. Die ältesten Funde menschlichen Lebensspuren wurden gegenüber von Weisenau auf der Bleiaue gemacht und sind über 6.000 Jahre alt. Im Bereich des heutigen Ortes selbst wurden Überreste menschlichen Wirkens in Form eines bandkeramischen Höckergrabes und bandkeramische Scherben aus der Chattenstraße östlich des Radweg/Paul-Gerhard-Weg gefunden, die über 5.000 Jahre alt sind.

Mehr Spuren hinterließen die Römer, die sich vor etwa 2.000 Jahren in Weisenau ansiedelten und es "vicus novus" - "die neue Siedlung" - nannten. Wahrscheinlich im Zusammenhang mit den Germanenkriegen des Kaiser Caligula um 39/40 n. Chr. entstand im Gebiet des Steinbruchs ein römisches Auxiliarkastell, dem sich nördlich dieses Kohortenlagers eine Zivilsiedlung angeschlossen haben muss. Zu den bemerkenswerten Funden gehörte eine spät-LaTène-zeitliche Töpferwerkstatt. Diese planmäßig angelegte Siedlung, ein sog. Vicus, war noch bis ins vierte Jahrhundert bewohnt. Das zu Siedlung gehörende Gräberfeld lag im westlichen Ortsteil von Weisenau, im Gebiet der Göttermannstraße. Außerdem wohnten und arbeiteten dort zahlreiche Glaser und Töpfer, die besonders Öllämpchen für den örtlichen Bedarf und Export hergestellt haben dürften. Sehenswert ist die rekonstruierte römische Gräberstraße und die Töpferöfen - die "Via sepulcrum Mogontiacum" - am Bettelpfad.

Nach der ersten urkundlichen Erwähnung 1192 änderte sich der Name auf "Wizinowe" im Laufe der Zeit über "Wizenawe" zu "Weisenau". Diese allmähliche Weiterentwicklung lässt sich in urkundlichen Erwähnungen in 13. und 14. Jahrhundert verfolgen. Bis 1215 gehörte Weisenau zum Erzstift Mainz.

Während des Mittelalters war die Burg Weisenau - die 1250 aus politischen Gründen von den Mainzer Bürgern zerstört wurde und das dazugehörende Gebiet - das Lehen einer Mainzer Ministerialen-Familie. Die nachfolgenden Besitzer wechselten ständig. In dieser Zeit hatte Weisenau wegen seiner Rheinüberfahrt und dem hier angepflanzten guten Wein eine große Bedeutung. Ansonsten war es ein Kleinbauerndorf, eher als ländlichen Aussehens. Zudem prägten Fischer und Schiffer das Ortsbild. Nach der Entstehung einer Schiffsbrücke in Mainz 1661 verlor die Überfahrt bei Weisenau allerdings an Bedeutung.

1792 fiel Mainz ohne Widerstand in die Hände der französischen Revolutionsgruppen. Während der Revolutionskriege wurde Weisenau 1793 1793 fast vollkommen zerstört, denn die Synagoge blieb stehen (nur Brandschaden am Dach nachweisbar) und auch das Haus Wormser Str. 15 (Haus des Wingertsmanns) muß diese Beschießung überstanden haben (erbaut um 1745-50). Fast alle Einwohnern verließen Weisenau. Den Bewohnern blieb nach der Kapitulation der Franzosen nicht viel Zeit für den Wiederaufbau ihres zerstörten Ortes, denn 1794 zogen sich die Kriegshandlungen wieder in den Mainzer Raum zurück. Besonders die Häuserzeile zwischen Wormser Straße und Rhein, die hauptsächlich aus Fischerhütten bestand, fiel den Zerstörungen und Plünderungen zum Opfer. Man baute sie später nicht mehr auf.

Durch den Bau der Eisenbahnlinie entlang des Rheinufers, der von 1847 bis 1854 andauerte, hielt die Industrialisierung in Weisenau Einzug. Der Ort wurde durch einen Personen- und Güterbahnhof an das Eisenbahnnetz angeschlossen und verbesserte dadurch seine ohnehin schon günstige Lage. Demzufolge siedelte sich größere Industrie im direkten Umfeld des Ortes an. Von 1849 an begann der Bauunternehmer Christian Lothary eine Backsteinfabrik sowie eine Zementfabrik, das heutige Zementwerk Weisenau, aufzubauen. Es folgen die Rheinische Brauerei und weitere Fabriken, insbesondere zur Herstellung von Nahrungsmitteln. 1904 erfolgte der Anschluss Weisenaus durch eine Straßenbahn nach Mainz. Außerdem erhielt es in den folgenden Jahren ein eigenes Wasser- und Gaswerk.

Am 01. Januar 1930 wurde Weisenau nach Mainz eingemeindet.

 

Umfangreiche Informationen zur Weisenauer Geschichte 
erhalten Sie auf der Homepage des 

Geschichts- und Brauchtumsverein Mainz-Weisenau e.V.

 

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